Sonntag, 26. Januar 2014

Mein Alleingang

Es ist mir noch nie leicht gefallen zu einer Veranstaltung zu gehen. Im Vorfeld kommen immer wieder Fragen hoch, wie z.B.
- wie wichtig ist mir diese Veranstaltung, um überhaupt hinzugehen (auch wenn ich es gerne möchte)
- mit wem kann ich dort hingehen (allein schaffe ich es nicht)
- mit wie vielen Teilnehmern ist zu rechnen (hierbei kommt es immer auf die Umverteilung an, also ausreichend Platz für Personen zur passenden Raumgröße)
- wie sehen die Räumlichkeiten aus (falls ich diese nicht schon im Vorfeld kenne, was selten so ist)
- wie oder wo kann ich mich platzieren (möchte nie vorne sitzen oder aber dort, wo man ständig für andere Platz machen muss, damit sie durchkommen)

Das sind erst einmal die wichtigsten Fragen, die mir so durch den Kopf gehen. Viele Veranstaltungen kann ich aufgrund der Ungewissheit einfach nicht besuchen, was ich im Nachhinein immer wieder bedaure, aber ich schaffe es dann einfach nicht. Beim Sport sagt man ja immer, man muss seinen inneren „Schweinehund“ überwinden, dann schafft man es auch. Aber hier geht es nicht um den „Schweinehund“, sondern um mein anders sein, meine Wahrnehmung, mein ICH.
Nun habe ich mir aber seit meiner Diagnose fest vorgenommen, mir Dinge, die mir schwer fallen zu stellen. Dabei kommt es nun auch mal vor, dass es mir an dem gewissen Tag einfach nicht gut geht, es machen sich Magenschmerzen, Kopfweh und Übelkeit bemerkbar. Bisher war es dann so, das ich ja nun krank war und nicht hingehen konnte. Dies versuche ich nun einfach zu ignorieren und ich wage mich mit diesem Unwohlsein zu dieser Veranstaltung.
Erschwert kam nun an diesem Tage, an dem ich mir fest vorgenommen habe, diese Veranstaltung unbedingt zu besuchen, da sie für mich persönlich sehr wichtig war und auch für mein geplantes Projekt, das ich keine Begleitung gefunden habe. Bei einem sehr kleinen Freundeskreis vor Ort ist die Auswahl an Freunden in diesem Moment relativ klein. Es wurde also nicht leichter. Was machen? Ich wollte mein Ziel in diesem Moment dennoch erreichen und wagte den entscheidenden Schritt, diesmal allein zu gehen. Zu meinem allgemeinen Unwohlsein kam nun auch noch Unbehagen hinzu.
Also kam nun ein Gedanke mehr hinzu. Wann gehe ich los? Relativ früh, um einen guten Platz zu erwischen oder relativ spät, damit ich nicht zu lange bis zum Beginn alleine da sitze und mich nicht wirklich wohl fühle. Da ich nun wusste, das solche Veranstaltungen gut besucht werden entschied ich mich für 20 Minuten vor Beginn dort zu sein.

Ich betrat also den Raum und erstarrte erst einmal. Es gab keine Stuhlreihen, wie von mir erwartet, sondern vier große runde Tische, an denen jeweils 8 Stühle herumstanden, einige bereits belegt. An jedem Tisch saßen bereits 3-4 Personen und so musste ich mich erst einmal etwas fassen und kurzfristig entscheiden, wo ich mich nun setzen sollte. Ich entschied mich gleich für den Tisch am Eingangsbereich, da hier noch 5 Stühle frei waren und ich nicht erst durch den ganzen Raum musste. Die letzten freien Plätze füllten sich sehr schnell und die Veranstalter fingen an zusätzliche Stühle in den Raum zu stellen.
Ich spürte wieder ein Unbehagen, da die Stühle zusammengerückt werden mussten, damit weitere Gäste Platz nehmen konnten.
Plötzlich wurde ich angesprochen. Vor mir stand der für diese Veranstaltung geladene Referent.
Die Unterhaltung war eine Abwechslung für mich, so musste ich nicht unnötig Däumchen drehen und weitere Gäste zählen bzw. andere Dinge, die mir so ins Auge fallen. Das mache ich sehr oft, wenn ich mich nicht wirklich wohl in einer Situation fühle, ich schaue mich um und zähle. Auch wenn mir die Unterhaltung anfangs etwas unangenehm war, da er mich mit meinen Namen etwas lauter begrüßte und mich auf meine Diagnose ansprach und ich förmlich spüren konnte, wie sich die in der Nähe befindlichen Gäste umdrehten und stiller wurden. Es war nicht das Thema, welches mir unangenehm war, sondern einfach die Tatsache, das ich gerade von der Mehrheit der anwesenden Gäste beobachtet werde. Das Augenmerk mag höchstwahrscheinlich mehr auf den Referenten gerichtet gewesen sein, aber er führte mit mir diese Unterhaltung und in dem Moment befand ich mich in einem gewissen Mittelpunkt, der mir ganz und gar nicht liegt.
Aufgrund meines geplanten großen Projektes muss ich mich aber an diese Art von Aufmerksamkeit und im Mittelpunkt stehen gewöhnen und die Zeit dieses Projektes liegt nicht mehr weit entfernt.

Nachdem unsere Unterhaltung beendet war, merkte ich erst, wie viele weitere Gäste eingetroffen waren und das es kaum noch ein entrinnen gab. Während ich anfangs den Tisch nahe der Tür gewählt hatte, kam mir dieser Weg plötzlich unendlich weit weg vor, obwohl sich weder mein Platz noch die Tür bewegt hatten. Aber der Weg zwischen meinem Stuhl und der Tür wurde mit weiteren Stühlen belegt, so dass ich nicht einfach aufstehen konnte, ohne jemanden anzusprechen, damit ich durch diese Stuhlreihen komme. Meine innere Unruhe trat noch stärker hervor, mein Herz schlug bis zum Anschlag und die Luft wurde für mich immer enger. Ich fühlte mich gefangen und erstarrte teilweise.
Der Vortrag begann und ich versuchte mich darauf zu konzentrieren. Ich nahm um mich herum kaum etwas wahr.

Nach gut zwei Stunden war der offizielle Teil abgeschlossen und die ersten Teilnehmer standen auf und der Weg zur Tür wurde geräumt. Ich sprang sofort auf, schnappte mir nur meine Jacke und meine Tasche und raus. Ich brauchte Luft.

All dieses auf sich zu nehmen für einen Vortrag? JA.
Es ging in erster Linie ja nicht nur um diesen bestimmten Vortrag, sondern auch um mich. Ich wollte mir beweisen, dass man gewisse Dinge schaffen kann, auch wenn einem dabei der Hals zugedrückt wird. Ich habe neue Erfahrungen gesammelt, die nicht nur der Vortrag mit sich gebracht hat, sondern auch die Erfahrung, das ich es schaffen kann: Allein zu dieser Veranstaltung zu gehen ohne die Örtlichkeit zu kennen, ohne zu wissen, ob jemand da ist, den ich evtl. kenne bzw. wie viele Menschen überhaupt kommen. Es ist eine Mischung aus Stolz und Unzufriedenheit. Stolz, das ich es tatsächlich geschafft habe überhaupt allein hinzugehen und Unzufriedenheit, da alles in mir zusammengebrochen ist, ich nicht ich selbst war, sondern irgendwie neben mir stand, trotz guter Vorbereitungsphase meinerseits.
Dieser Abend hat mir eindeutig gezeigt, dass ich es nicht ohne Begleitung schaffe, noch nicht. Aber ich arbeite auch hieran.



Mittwoch, 1. Januar 2014

Jahresrückblick 2013

2013 war ein sehr durchwachsenes Jahr für mich. Ein Jahr mit vielen persönlichen Höhen und auch Tiefen.

Mein Mann war von Beginn des Jahres an gesundheitlich angeschlagen und bis Ende April krankgeschrieben. Dies war schon eine große Herausforderung für mich. Er war insgesamt 8 Monate zu Hause und so war mein Alltag komplett durcheinander und ich musste ständig umdenken und auch flexibel reagieren, was mir sehr schwer fällt. Ständiges Chaos im Kopf.
Jeder Tag war eine neue Überraschung und ich wusste nie, wie ich reagieren sollte. Keine Routine da. 

Im Mai war dann das erste positive Highlight für mich. Das große Autisten-Treffen vom Autismus-Forum-Deutschland. Wir verbrachten mit unseren Familien ein ganzes Wochenende gemeinsam in einem großen Selbstversorgerhaus im Harz. Dort traf ich wieder viele inzwischen liebgewonnene Freunde aus den Vorjahren und es wurden auch neue Freundschaften geschlossen. Ein berauschendes und ereignisreiches Wochenende.

Im Juni dann DAS Ereignis für mich, welches mich endgültig dazu bewegte, eine Diagnostik anzustreben. Mein ältester Sohn bestand seine Prüfung als staatl. geprüfter Techniker mit einer glatten 2 und meine Freunde darüber sah man mir nicht an, obwohl ich innerlich vor stolz brodelte. Ich lies meinen Sohn eiskalt abblitzen und weinte anschließend, weil ich nicht verstand, wie ich so reagieren konnte. Nach vielen Anläufen zu einem intensiven Gespräch mit meinem Sohn, in dem ich ihm auch meine Vermutung schilderte, entschloss ich mich zur Diagnostik und erhielt starke Rückendeckung und Unterstützung von Seiten meiner Familie und engsten Freunden.  Dafür an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank.

Im Juli begann die Baustelle bei meinem kleinen Sohn. Er bekam Durchfall, den wir auch nach über 5 Wochen nicht in den Griff bekamen. Organisch war alles bei ihm in Ordnung und von daher fingen bei uns die Vermutungen an, ob es vielleicht eine Kopfsache ist, da im neuen Schuljahr das Unterrichtsfach Schwimmen auf dem Programm stand und er seit seinem 3. Lebensjahr das Wasser so gut es geht meidet, eigentlich fast komplett verweigert. Kopfschmerzen und Bauchweh waren seine ständigen Begleiter. Die Schule begann und der erste Schwimmunterricht stand auf dem Programm. Mutig ging er mit Badetasche und ganz viel Bauchweh in die Schule. Als er heim kam, war ich mächtig stolz, denn er hat sich überwunden und ist mit ins Wasser gegangen. Drei weitere Wochen folgten, in dem er am Schwimmunterricht teilnahm, immer mit Bauchweh. Jedoch wurden die Wochenenden vor dem Schwimmunterricht für uns immer schlimmer. Es kam Fieber hinzu, er verkroch sich in sein Zimmer und man hörte ihn manchesmal weinen. Aber er sagte nichts.
Ich bat um ein Gespräch beim Psychologen und auch in der Schule. Wir beschlossen, unseren Sohn probeweise vom Schwimmunterricht freizustellen. Innerhalb von 3 Tagen, nachdem wir dies durchgesetzt haben und es unserem Sohn mitgeteilt hatten, verschwand der Durchfall und das Bauchweh. Wir hatten wieder ein zufriedenes Kind und waren glücklich, dass wir uns es geschafft hatten, dem Problem auf den Grund zu gehen.

Zwischenzeitlich  erhielt ich dann im August meine Diagnose. Im Vorfeld hätte ich mir nicht vorstellen können, das diese Diagnose irgendetwas ändern würde in meinem Leben. Aber diese Diagnose war ein wichtiger Punkt im Jahr 2013 für mich. Es fing alles sehr langsam an, aber dann merkte ich und auch mein Umfeld, welche Veränderungen plötzlich in mir vorgingen. Es waren positive Veränderungen. Ich lernte mich wieder ein Stück neu kennen und bin immer noch dabei. Es ist ein herrliches Gefühl, ein befreiendes Gefühl und es war ein wichtiger und guter Schritt, den ich gegangen bin, wenn er mir auch im Vorfeld sehr viel Kopfzerbrechen bereitet hat, verbunden mit Ängsten, Unsicherheit und einem fremden nicht zu beschreibenden Gefühl.

Im November dann mein Klassentreffen. Ein Wiedersehen mit ehemaligen Mitschülern und Lehrern nach über 30 Jahren. Eine neue Herausforderung für mich. Wie würden diese Mitschüler nach all den Jahren auf mich reagieren? Finden Gespräche statt oder bleibe ich stumm? Fragen über Fragen und ein Unwohlgefühl im Bauch. Aber ich wollte unbedingt hin. Schon alleine, damit ich auch auf andere Gedanken komme. Gedanken um meinen Ältesten, der bereits seit zwei Wochen krank war und am Tage meines Treffens ins Krankenhaus eingeliefert wurde mit der Option, noch am gleichen Tag operiert zu werden. Das Treffen war also gleichzeitig auch eine Abwechslung für mich von meinen wilden Gedanken. Das Treffen war unbeschreiblich. Ich ging mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und einem sehr glücklichen und zufriedenen Gefühl nach Hause.

Der Gesundheitszustand meines Sohnes verschlechterte sich ständig. Es wurde ein Bakterium gefunden und ihm wurden ständig Proben entnommen. Seine Werte waren zu hoch und das große Rätseln ging los. Des weiteren erlitt er zwei Allergieschocks mit Atemnot im Krankenhaus. Nach drei Wochen Krankenhaus wurde er entlassen, ohne Ergebnis, aber mit vielen Fragezeichen. Vor Weihnachten wurde er dann ganz unglücklich in eine Schlägerei verwickelt, als er aus seinem Auto ausstieg und man brach ihm die Nase. Diese musste dann am 30.12. in einer weiteren OP wieder gerichtet werden.

Das Jahr endete bei uns, wie es begonnen hat. Anfang des Jahres erhalten wir nun die Diagnose für unseren Ältesten und hoffen, dass das neue Jahr für uns wesentlich erfreulicher beginnt und wir ein gesundes und ruhiges Jahr verbringen dürfen.
Besonders im Hinblick auf die vielen Ereignisse, die für mich in diesem Jahr anstehen.



Samstag, 21. Dezember 2013

Alle Jahre wieder...


…sollte Weihnachten eine besinnliche und ruhige Zeit sein, aber in unserer heutigen Gesellschaft bedeutet Weihnachten Stress, purer Stress. 
Jahrelang habe ich mir unbewusst diesen Stress auch angetan. Geschenke besorgen, Einladungen zum Fest aussprechen bzw. entgegen nehmen, Einkäufe für das Weihnachtsessen, Wohnung dekorieren und den Vorgarten, Weihnachtsfeiern, etc.

Vor zwei Jahren habe ich damit aufgehört.
 Das Dekorieren wurde weniger, aber immer noch weihnachtlich. Geschenke kaufe ich alle online, so erspare ich mir die Hektik in den Geschäften, das Gedrängel an den Kassen und das Schleppen der vielen Einkaufstaschen. 
Einladungen aus der Verwandtschaft wurden liebevoll abgelehnt mit der Begründung, dass wir einfach nur als Familie das Weihnachtsfest genießen möchten und unserem Sohn somit etwas negativen Stress damit wegnehmen. Es sollte ein Versuch sein, ob er so besser mit diesen Veränderungen rund um Weihnachten umgehen kann. Auch haben wir selbst niemanden an den Weihnachtsfeiertagen eingeladen. Es wurde kein einsames Weihnachten, sondern ein sehr besinnliches. Es war nicht nur, dass unser Sohn Weihnachten nicht kränkelte, sondern auch mir ging es wesentlich besser. Ich habe es einfach nur genossen, im Kreise meiner Lieben zu verweilen. Auch fand mein Mann, das es so viel besser ist und wir dieses weiterhin so halten sollten. Natürlich war es für Außenstehende nicht leicht zu verstehen, warum wir uns nicht mehr blicken ließen zu Weihnachten bzw. selbst keinen Besuch mehr empfangen wollten, war dies doch nicht typische Weihnachten, wo sich alle trafen, die sich sonst (fast) das ganze Jahr aus dem Wege gehen. Weihnachten 2011 war das erste Fest ohne Heucheleien und so sollte es bleiben.
Im Folgejahr haben wir es dann ebenso gehalten, nur sollte diesmal auch das traditionelle Weihnachtsessen wegfallen, damit auch ich noch etwas mehr Ruhe erhalte. Daran hatte ich dann doch etwas zu nagen, da dieses Essen ein Ritual bei mir war und für mich einfach dazugehörte. Aber ich schloss mich der Mehrheit meiner Familie an und siehe da, es wurde ein noch schöneres Weihnachtsfest, da es mit Ausnahme von den Geschenken und der Weihnachtsdekoration Tage wie alle anderen waren und dennoch anders. Denn es waren unsere Weihnachten, besinnliche Weihnachten mit unserer Familie. Jeder Einzelne von uns genoss diese Zeit in der Familie, mit der Familie.
Und so kann ich mich auch nun kurz vor Weihnachten ruhig zurücklehnen und warten, bis der Heilige Abend näher rückt. Die Geschenke werden heute von mir eingepackt, der Weihnachtsbaum am Morgen des Heiligen Abend geschmückt und kleine Vorbereitungen für den Abend getroffen. Die Kinder haben sich in diesem Jahr Raclette gewünscht und so kann ich alles in Ruhe vorbereiten und abends vor der Bescherung bereiten wir gemeinsam unser Essen zu. Ich kann wirklich behaupten, ich freue mich auf Weihnachten, ohne mir den Schweiß von der Stirn wischen zu müssen.

So lange ich denken kann, war Weihnachten die Zeit mit dem größten Stressfaktor. Egal, ob als Kind, wo ich zwar keinen Vorbereitungsstress hatte, aber die Ängste vor dem Ungewissen, was ich wohl an Geschenken erhalte, wie die Besuche ablaufen, der Gang in die Kirche. Weihnachten war leider nicht immer nur kindliche Vorfreude, sondern auch mit Angst verbunden. Als dann die Zeit kam, in der ich selbst Familie hatte, wollte ich diese Tradition natürlich fortführen, dachte ich doch, all dieses gehört zu Weihnachten dazu. Erst heute weiß ich, das es jedem selbst freigestellt ist, wie sein Weihnachten aussehen soll und dank meiner lieben und verständnisvollen Familie haben wir einen Weg gefunden, der uns gefällt und wieder Vorfreude auf Weihnachten beschert. 
In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern frohe Weihnachten.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Eine Reise in die Vergangenheit

Sorry, ich habe schon lange nichts mehr geschrieben. Leider fand ich keine Zeit, immer gab es wieder neue Hürden, die bewältigt werden mussten. Aber nun, wo für viele der alljährliche Weihnachtsstress losgeht, kehrt bei mir wieder etwas Ruhe ein. Ruhe und Zeit, damit ich wieder Schreiben kann.

In der letzten Zeit ist soviel um mich herum passiert, dass ich gar nicht wirklich weiß, wo ich anfangen soll.
Vor einigen Wochen hatte ich Klassentreffen. Ein Wiedersehen mit ehemaligen Mitschülern, zu denen ich seit mehr als 30 Jahren keinen Kontakt mehr habe. Einerseits war da die Neugier und Vorfreude auf meine allerliebste Schulfreundin, andererseits auch wieder diese Ängste. Ängste um einen nicht vorhersehbaren Ablauf des Abends mit mir doch inzwischen fremden Menschen. Wie verläuft die Kommunikation mit meinen ehemaligen Mitschülern? Wird mich jemand ansprechen oder verbringe ich, wie früher, die meiste Zeit auf meinen Platz und schaue nur interessant in die Runde und beobachte? Email- und Telefonkontakt habe ich noch mit zwei ehemaligen Schulfreundinnen und denen habe ich im Vorfeld ja schon von meiner Diagnose und meinen Kommunikationsschwierigkeiten erzählt. Diese wollten mich unterstützen und in Gespräche verwickeln. Auch meine damals beste Schulfreundin hatte sich ja vor dem Klassentreffen mit mir in Verbindung gesetzt und wusste nun Bescheid.
Mit einem doch sehr mulmigen Gefühl begab ich mich nun zu diesem Klassentreffen. Mit meiner damals allerbesten Freundin habe ich mich vor dem Treffpunkt verabredet, damit wir gemeinsam reingehen können. Das erleichterte mir die Sache schon ungemein. Als wir dann in den für uns zur Verfügung gestellten Raum gingen, waren bereits drei Personen anwesend. Wir wurden sofort überschwänglich freundlich mit einer Umarmung begrüßt. Die erste Hürde war genommen. Nach und nach trudelten dann auch die anderen Mitschüler ein. Es wunderte mich nicht wirklich, aber bis auf zwei Ehemalige habe ich alle sofort wieder erkannt nach all der Zeit. Auch vier ehemalige Lehrer kamen. Es wurden Fotos herumgereicht und man kam doch relativ schnell ins Gespräch. Natürlich war, wie schon in Schulzeiten, meine allerbeste Freundin immer an meiner Seite. Irgendwie hatte sich bei uns nichts geändert, trotz der langen Zeit, die wir ohne Kontakt waren, es war sofort wieder diese vertraute Situation aus Schulzeiten. Jeder wechselte irgendwann mal seinen Platz, um mit dem einen oder anderen Erinnerungen auszutauschen bzw. etwas aus dem derzeitigen Leben zu erfahren. Jeder? Nein. Ich saß die ganze Zeit auf meinem Stuhl und wechselte nie. Stand nur auf, wenn ich zum Rauchen mit meiner Freundin nach Draussen ging. Aber ich hatte ständig andere Platznachbarn und so konnte ich mich auch mit einigen ehemaligen Mitschülern unterhalten. Es war ein sehr schöner und sehr langer Abend, aber vor allem auch ein sehr Interessanter, denn ich habe wieder soooooo viel erfahren von mir und Eindrücke sammeln dürfen, die mir meine ehemaligen Mitschüler aus der Erinnerung heraus erzählten. Mit zwei ehemaligen Lehrern hatte ich auch ein sehr interessantes Gespräch. Meine Klassenlehrerin kam irgendwann zu mir hin und meinte ganz erstaunt: „Ich wusste gar nicht, das Sie reden können“. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, das Sie früher nur etwas gesagt haben, wenn Sie gefragt wurden“. Ja, ich war eine sehr ruhige Schülerin, aber dass ich soooooo wenig gesagt habe, das wusste ich selbst nicht mehr. So erzählte ich ihr von meiner Diagnose und sie holte immer mehr aus mit ihren Erinnerungen an mich und wie sie mich früher gesehen hat. Es war unglaublich. An viele Mitschüler konnte sie sich nicht mehr erinnern, aber ich war noch in sehr guter Erinnerung. Eigentlich hatte ich das Gegenteil erwartet, nämlich das die Erinnerungen an die etwas lebendigen Schüler höher waren, als an die Ruhigen. Während ich dann mal wieder zum Rauchen ging, kam meine ehemalige Mathelehrerin ebenfalls mit raus. Sie fragte gleich, was ich jetzt so mache und wiederum erzählte ich ihr in kurzen und knappen Sätzen von meiner ehrenamtlichen Tätigkeit und meiner Diagnose. Plötzlich sprudelte es nur so aus ihr heraus. So oft habe sie noch nach der Schulzeit an mich und mein „Anders sein“ denken müssen, besonders, nachdem sie viele Jahre später eine Schülerin erhielt, die die Diagnose Asperger-Autistin hatte und sie die einzige Vertraute für dieses Mädchen in der Schule war. Dieses Mädchen, so sagte sie, habe sie immer an mich erinnert.
Auch erhielt ich viel Lob von den anderen anwesenden Ehemaligen, da alle sehr erstaunt waren, wie ich mich verändert habe und damit meinten sie nicht äußerlich, sondern von meiner offenen Art.

Nach diesem Treffen brauchte ich mehrere Tage, um von all diesen Eindrücken und Erkenntnissen wieder in den Alltag zu finden. Meine Gedanken wirbelten wie ein Orkan in meinem Kopf, ich konnte tagelang nichts mit mir anfangen.

Es war für mich wie eine Reise in die Vergangenheit und ich werde diese Reise noch lange in Erinnerung behalten und freue mich bereits jetzt schon auf ein Wiedersehen, welches nun im nächsten Jahr geplant ist.

Freitag, 4. Oktober 2013

Ja sagen und Nein meinen



Wie oft habe ich anderen schon gesagt, du musst auch mal „Nein“ sagen können. Denk auch mal an dich.
Aber wie oft stehe ich selbst vor diesem inneren turbulenten Konflikt mit dem gedanklichen Nein und ausgesprochen wird immer wieder dieses JA! 
Seit meiner Diagnose führe ich ein „Das-hast-du-gut-gemacht“-Heft. In diesem Heft schreibe ich mit Datum alle Dinge rein, die ich bewältigt habe, obwohl sie mir nicht leicht gefallen sind. So habe ich z.B. beim Einkaufen eine Verkäuferin angesprochen, da ich ein bestimmtes Produkt nicht gefunden habe (wäre mir früher im Traum nicht eingefallen) oder ich habe den Geburtstag meines Sohnes allein mit 5 Kindern in einer mir vollkommen fremden Umgebung verbracht (in den Jahren davor hatte ich immer Unterstützung dabei).
Ich trage dieses Heft immer bei mir, damit ich in für mich schwierigen Situationen daran denke, das ich wieder etwas neues eintragen kann, wenn mir etwas „unüberwindbares“ im Wege steht. Nur der Gedanke an diesem Heft hat mir schon sehr viel Mut gemacht auch mal etwas für mich Neues auszuprobieren. So nun auch das Wort „Nein“. Selbstverständlich musste mein Mann für mein offenes Nein als erstes herhalten, aber es ist mir gelungen, es auszusprechen und auch zu begründen. Mein Mann wollte am Wochenende mit seinem Freund gemeinsam ein Bundesligaspiel schauen und damit kein schlechtes Gewissen den Frauen gegenüber hochkommt, glaubten die beiden Männer, sie könnten uns mit einem Essen friedlich stimmen und während der Fußballzeit sollte ich mit der Frau die Zeit verbringen. Da ich selbst auch gerne Fußball schaue, wäre dies alles kein Problem für mich gewesen. Zum einen kenne und mag ich diese Frau und zum anderen sind ja auch noch die Männer dabei und drittens, es wäre bei uns zu Hause gewesen. Also wäre dies alles für mich in Ordnung und ich habe dieser Idee zugestimmt. Aber da mein Mann ja sehr spontan ist und er kurzfristig noch zwei Karten für das Spiel erhalten hat, wollte er nun mit seinem Freund die Fahrt auf sich nehmen und das Spiel Live im Stadion sehen. In meiner Abwesenheit hat er seinen Freund von den Karten telefonisch in Kenntnis gesetzt und gleichzeitig gemeint, die Frauen können ja die Zeit gemeinsam verbringen. Himmel Herrgott, das wären mit Hin- und Rückfahrt zum Stadion und der Spielzeit gute 7 Stunden gewesen, die ich mit der Frau des besten Freundes meines Mannes verbringen müsste. Innerlich stieg schon wieder Panik in mir auf, was sollte ich denn 7 Stunden machen? Wir haben nicht wirklich gemeinsame Interessen bzw. Gesprächsthemen, die mich 7 Stunden überstehen lassen würden. Aber genau in diesem Moment, als mein Mann mir von seiner doch so tollen Idee berichtet hat, haben ich laut gemeint: „Nein – auf gar keinen Fall“. Ich habe ihm mitgeteilt, warum und wieso dies auf keinen Fall geht und dass ich nicht möchte, das er meine Freizeit einfach so verplant. Er war ganz erstaunt darüber, zeigte jedoch Verständnis und ich bat ihm, sich etwas einfallen zu lassen, was er nun der Frau seines Freundes erzählt, warum ich nicht bereit bin, diese geschätzten 7 Stunden mit ihr zu verbringen.
Ich war und bin immer noch stolz wie Bolle, das ich es geschafft habe, einfach mal „Nein“ zu sagen. Natürlich hätte ich mich nicht auch noch rechtfertigen müssen für dieses Nein, aber ich wollte meinem Mann natürlich auch die Gründe dafür mitteilen, vor allem, damit er in Zukunft nicht einfach über mich hinweg entscheidet.
Nun bin ich gespannt, ob es beim nächsten Mal auch so „einfach“ klappt, das ich dieses Wort so schnell wieder raus bringe. Der Anfang ist getan und nun schauen wir mal…



Freitag, 13. September 2013

Wie eine Zeitung meinen Tagesablauf durcheinander bringen kann


Mir war es nie so bewusst, dass ich einen eingespielten Tagesablauf habe bzw. brauche. Aber inzwischen lerne ich ja viel dazu und beobachte mich selber auch. Hätte mir früher einer gesagt, das ich feste Rituale in meinem Leben habe und sollte nur eines dieser Rituale nicht zeitmäßig in meinen Ablauf vorkommen, das damit mein ganzer Tag durcheinander gerät, ich hätte wohl laut aufgelacht und ihm den „Vogel“ gezeigt.
Gerade in dieser momentanen Phase der „Selbstfindung“ ist es nun passiert, dass ich morgens aufgestanden bin und unsere Tageszeitung nicht, wie gewohnt, im Zeitungsfach lag. Nachdem ich morgens aufgestanden bin, trinke ich erst einmal in aller Ruhe meinen Kaffee und lese dazu die Tageszeitung. Danach beginne ich dann, meinen Sohn zu wecken und alles für seinen Schultag vorzubereiten. Ab 07.20 Uhr bin ich dann soweit, dass ich meinen Tagesablauf, je nach Vorhaben, angehen kann. An diesem Tag war nun plötzlich alles anders…
Keine Tageszeitung. Der Kaffee lief bereits durch und ich hatte immer noch keine Zeitung. Nun hätte ich ja inzwischen das Frühstück für meinen Sohn vorbereiten können, damit ich dann, sobald die Zeitung da ist, diese Arbeiten schon einmal erledigt habe. Aber nein…es ging nichts. Ich setzte mich auf unsere Treppe auf dem Flur mit meinem Kaffee und wartete geduldig auf meine Tageszeitung. Immer und immer wieder ging ich zur Tür, schaute ins Zeitungsfach – nichts. Anrufen kann man dort erst ab 9 Uhr, aber ich lese meine Zeitung halt um 06.15 und normalerweise ist die Zeitung auch immer schon ab 5 Uhr im Zeitungsfach. Nur diesen Morgen nicht. So wartete ich bis 06.45 Uhr und ging dann meinen Sohn wecken, machte ihn für die Schule fertig und schaute wieder ins Zeitungsfach – nichts. Nachdem ich meinem Sohn das letzte Mal zugewinkt habe beim Verlassen des Hauses, drehte ich mich um und schaute in den Briefkasten und da lag sie: Meine Tageszeitung. Nun hätte ich sie natürlich in aller Ruhe lesen können, aber nein. Ich ärgerte mich dermaßen darüber, das die Zeitung nicht im Zeitungsfach geschoben wurde, sondern wahrscheinlich eine Vertretungszustellerin die Zeitung in den Briefkasten geworfen hat, das ich gar keine Zeit hatte, um die Zeitung in Ruhe zu lesen. Für mich war der Tag gelaufen. Nichts, was ich mir vorgenommen hatte für diesen Tag, konnte ich vernünftig ausführen bzw. überhaupt beginnen. Alles drehte sich nur um diese blöde Zeitung. Also setzte ich mich an den PC und versuchte mir einen Plan zu machen für den Notfall, falls die Zeitung wieder mal nicht pünktlich im Zeitungsfach bzw. im Breifkasten liegt und ich die Zeit anders oder sinnvoller nutze, als 30 Minuten auf der Treppe zu sitzen und Trübsal blase. Ich ärgerte mich inzwischen schon über mich selbst, dass der Gedanke an diese Zeitung mich dermaßen aus der Ruhe brachte und ich an nichts anderes denken konnte. An diesem Vormittag erhielt ich noch zwei Anrufe und selbst in diesen Gesprächen war für mich die Tageszeitung das Hauptgesprächsthema. Gegen Mittag kehrte langsam Ruhe in mir ein und ich unternahm einen neuen Anlauf mit meiner Tageszeitung. Ich setzte mich an den Küchentisch und versuchte die Zeitung zu lesen. Aber ich fand die Themen plötzlich vollkommen uninteressant, die ganze Zeitung war für mich irgendwie „von gestern“. Ich war nicht in der Lage, diese Zeitung in Ruhe zu lesen. Nachdem mein Sohn dann mittags aus der Schule kam und zwei Stunden später auch mein Mann von der Arbeit, hatte ich noch nichts geschafft, außer mich immer noch über diese Zeitung zu ärgern. Selbst das Mittagessen fiel an diesem Tage aus. Natürlich habe ich meiner Familie nicht gesagt, das es aufgrund der Tageszeitung so war und ich deswegen zu nichts anderem im Stande war, aber ich musste es mir selber eingestehen, diese Zeitung hat es geschafft, an diesem Tage alles durcheinander zu bringen.
Am nächsten Morgen war ich einigermaßen vorbereitet und ging mit wenig Hoffnung zum Zeitungsfach. Nichts. Aber ich schaute diesmal gleich in den Briefkasten und da war sie. Der Tag zumindest war gerettet. Am Abend machte ich noch einen Zettel fertig und klebte diesen an den Briefkasten mit dem Hinweis für den Zeitungszusteller, die Zeitung doch bitte in das Zeitungsfach zu stecken, damit der Briefkasten nicht überquillt, wenn die Post auch noch rein geworfen wird. J Konnte ja schlecht schreiben, dass ich es so gewohnt bin, das die Zeitung ins Zeitungsfach gehört und bei fehlender Zeitung mein ganzer Tag hinüber ist. Seit dem Hinweis klappt es wieder mit unserer Tageszeitung, ich habe sie jeden Morgen im Zeitungsfach. Entweder lag es jetzt an meinen Zettel oder aber unsere gewohnte Zeitungszustellerin ist wieder da und die weiß, wo eine Zeitung hingehört, damit mein Tag ein guter Tag wird.


Samstag, 31. August 2013

Das Mutter-Sohn-Gespräch



Lange habe ich dieses Gespräch mit meinem Sohn vor mir her geschoben und nun war es endlich soweit. Wie es dazu gekommen ist, könnt ihr gerne in meinem vorherigen Post nachlesen.

Wie versprochen kam mein Sohn auf mich zu, damit ich mit ihm die gewünschte Aussprache führen konnte. Ich war sehr nervös, aber dennoch einigermaßen gefasst und wusste auch sofort, wo ich mit meinem so wichtigen Gespräch beginnen sollte. Dies kommt ja selten vor, aber noch nie habe ich mich so lange und intensiv auf ein Gespräch vorbereitet. Ich schilderte ihm also den Verdacht auf Autismus bei mir und berichtete ihm weiterhin, dass ich bereits mitten in der Diagnostik stecke. Dies musste bei ihm erst einmal etwas sacken, aber nachdem ich ihm dann einige Beispiele aufgeführt habe, wieso weshalb warum ich den Verdacht habe und das mein Verhalten bei dem Ergebnis seiner Abschlussprüfung für mich der ausschlaggebende Grund war, warum ich mich in die Diagnostik begeben habe, fand er schnell zu sich zurück und teilte mir auch prompt mit, das dieses Verhalten von mir ihn überhaupt nicht gewundert oder erstaunt hat. Kennt er mich doch nicht anders. Ich habe mir also in Bezug auf die fehlenden und ihm nicht gezeigten Gefühle viel zu viel Gedanken gemacht. Aber gut, das es nun ausgesprochen war. Wir führten ein sehr langes Gespräch und es war für mich eine neue Erkenntnis, so offen über alles mit ihm zu reden. Im Laufe dieser Unterhaltung fielen ihm dann auch plötzlich einige Dinge an mir auf, die normalerweise für ihn überhaupt nicht der Rede wert gewesen wären, da er es nie anders kannte, aber nun ergaben diese Verhaltensmuster von mir einen Sinn. So kamen Dinge zum Vorschein, die ich noch nicht einmal bemerkt habe, weil sie für mich wiederum selbstverständlich sind, aber scheinbar nicht „normal“.
Als erstes meinte er, ich kaufe immer die gleichen Produkte ein. Nur wenn mein Mann mit zum einkaufen kommt oder mein Sohn etwas auf die Einkaufsliste schreibt, dann kommen auch mal andere Dinge ins Haus. Das ist mir noch nie aufgefallen, ist aber wirklich so. Ich traue mir einfach nicht, neue unbekannte Produkte mitzubringen, wenn ich nicht weiß, ob sie auch gegessen werden. Also wird von mir nur das bekannte Produkt gekauft. So kommt es halt vor, dass ich eine Salami-Pizza nur von einem bestimmten Hersteller kaufe, ist diese nicht vorrätig, wird keine gekauft. Die Peperoni- oder Mozarella-Pizza gibt es dann nur von einem anderen Hersteller. Mein Sohn suchte sich diese Produkte mal beim Einkaufen aus und so habe ich diese dann halt immer wieder gekauft, die gleiche Pizza von einem anderen Hersteller kam für mich nie in Frage. Dies nun als ein Beispiel, das mein Sohn mir aufzählte.

Weiterhin ist es die Sache mit meinen Gewohnheiten, auf die ich bestehe, aber kein anderer aus der Familie. Mein Sohn hat sich mal bei einer McDonalds-Aktion ein Coca-Cola-Glas mitgebracht. Also war dies sein Glas und er trinkt auch daraus (meine Gedankenweise!). Nimmt sich nun mein Mann genau dieses Glas aus dem Schrank, dann schreite ich sofort ein und bitte ihn darum, ein anderes Glas zu nehmen, da aus diesem Glas ja unser Sohn immer trinkt. Mein Mann hat dies nie verstanden und mein Sohn irgendwie auch nicht – kicher – mir war oder ist es aber wichtig, das es respektiert wird, das bestimmte Gläser oder Tassen auch nur von bestimmten Leuten benutzt wird. So halte ich es auch mit meinen Kaffeepötten in der Küche. Habe ich mal Besuch und gebe diesem Gast eine Tasse, so erhält er diese Tasse auch beim nächsten Besuch wieder und ist diese gerade nicht sauber, dann wasche ich sie schnell ab, anstatt eine andere saubere Tasse aus dem Schrank herauszuholen. Dinge, die meinem Sohn an mir aufgefallen sind, aber bei denen er sich nie wirklich etwas gedacht hat, kennt er mich ja nicht anders.

Auch zu meiner nicht vorhandenen Spontanität ist ihm dann noch einiges eingefallen.
Letztendlich war dieses Gespräch für beide Seiten sehr aufschlussreich mit ganz neuen Erkenntnissen und Sichtweiten. Mein Sohn hat mir wieder Dinge an mir aufgezeigt, die mir selbst nie so extrem aufgefallen sind. Seit diesem Gespräch kommt er nun auch häufiger mal zu mir, meistens, wenn ihm wieder etwas aufgefallen ist, was nicht wirklich typisch ist, aber für ihn inzwischen zu meiner Art dazugehört. Ich finde es wirklich interessant, mich nun auch aus der Sicht meines Sohnes kennen zu lernen.

Ganz interessant fand ich dann noch den Vorschlag, den er mir machte. Da ich ja für meinen jüngsten Sohn anfangs einen Tagesplan aufgestellt hatte, machte mein Großer mir nun den Vorschlag, das ich dieses auch einmal bei mir ausprobieren sollte und das ich vielleicht mal weniger versuchen sollte, es immer anderen und auch der Familie Recht zu machen, sondern das ich in erster Linie nun einmal versuchen sollte, mein Level durchzuziehen und die Familie sich auch einmal ein wenig nach meinen Bedürfnissen richten sollte. Er für sich möchte dies nun in Zukunft wesentlich intensiver machen und mich mehr in sein Leben mit einbeziehen, soweit ich dies zulassen kann.


Dieses Gespräch hat so viel Neues in mir ausgelöst. Es war so befreiend und erleichternd und dieses Glücksgefühl konnte ich ihm am Ende des Gespräches sogar mitteilen.  Welch ein Erfolg in jeder Hinsicht.